Am „Tag des forstlichen Vermehrungsgutes“ (14.1.2026) stand klimafittes Saat- und Pflanzgut im Fokus: Marktverschiebung weg von Fichte, mehr Tanne u. Eiche, Forschung zu Herkunft u. Genetik, Plantagenzentrum & neue EU-Regeln.
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Am „Tag des forstlichen Vermehrungsgutes“ (14.1.2026) stand klimafittes Saat- und Pflanzgut im Fokus: Marktverschiebung weg von Fichte, mehr Tanne u. Eiche, Forschung zu Herkunft u. Genetik, Plantagenzentrum & neue EU-Regeln.
Wenn wir über den Wald der Zukunft sprechen, geht es schnell um Baumartenwahl, Mischwälder, Schädlinge oder Wasserhaushalt. Ein Thema bleibt dabei oft im Hintergrund – obwohl es darüber entscheidet, was in 20, 50 oder 100 Jahren tatsächlich im Bestand steht: forstliches Vermehrungsgut, also Saatgut und Pflanzgut für den Wald.
Genau darum drehte sich der erste „Tag des forstlichen Vermehrungsgutes“, der am 14. Jänner 2026 am Bundesamt für Wald in Kooperation mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) und dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) stattfand.
Forstliches Vermehrungsgut umfasst Saatgut, Pflanzen und (je nach Baumart/Verfahren) auch vegetatives Material, das für die Begründung und Verjüngung von Wäldern genutzt wird. Entscheidend ist dabei nicht nur „irgendein“ Samen oder „irgendeine“ Jungpflanze – sondern Herkunft, Qualität und genetische Eignung.
In Österreich wird Vermehrungsgut in vier Kategorien eingeteilt:
Diese Kategorien sind mehr als Bürokratie: Sie stehen für unterschiedliche Anforderungen an Ausgangsmaterial, Zulassung und Nachweis der Eignung. „Quellengesichert“ stellt etwa die geringsten Anforderungen, während „geprüft“ eine nachgewiesene Überlegenheit gegenüber einem Standard (z. B. über Vergleichs- oder genetische Prüfungen) voraussetzt.
Der Waldumbau Richtung Klimafitness erhöht den Druck auf ein System, das traditionell auf planbare Nachfrage und langsamere Veränderungen ausgelegt war. Beim „Tag des forstlichen Vermehrungsgutes“ wurde daher nicht nur über Maßnahmen und Forschungsprojekte gesprochen, sondern auch über Marktsituation, Engpässe, Wetterextreme und neue Schädlinge – und darüber, wie Versorgungssicherheit künftig aussehen kann.
Ein Satz, der das strategische Gewicht gut trifft, stammt aus dem Statement des Ministers:
Entscheidungen in Saatgutgewinnung, Baumschule und Vollzug wirken über Jahrzehnte.
Damit Vermehrungsgut verfügbar ist, braucht es geeignete, anerkannte Quellen und funktionierende Ernte- und Aufbereitungsketten. In Österreich stehen dafür u. a. zur Verfügung:
Im Zeitraum 2011 bis 2025 gab es in Reifejahren insgesamt 2.738 Beerntungen, aus denen Saatgut von 33 Baumartengewonnen wurde.
Aufgeteilt wurde u. a. nach Kategorien (u. a. „quellengesichert“, „ausgewählt“, „qualifiziert“) samt dokumentierten Mengen.
Besonders greifbar wird der Waldumbau in der Forstpflanzenstatistik: Im Vergleich 2012/13 zu 2023/24 ist der Absatz von Fichtenpflanzen stark zurückgegangen – von 16,9 Mio. Stück (2012) auf 8,1 Mio. Stück (2024).
Parallel dazu steigen andere Baumarten deutlich:
Das ist mehr als ein Trend: Es zeigt, dass Empfehlungen für klimaangepassten Waldumbau längst in Beschaffung und Produktion ankommen – und dort wiederum neue Engpässe und Prioritäten erzeugen.
Der Tiroler Landesforstgarten sichert die Versorgung mit standortgerechtem, qualitativ geprüftem Pflanzgut und macht damit den Waldumbau in Tirol erst planbar. Er liefert die passenden Baumarten und Herkünfte für resilientere, klimafitte Wälder – heute für die Bestände von morgen.

Ein weiterer Kernpunkt der Veranstaltung war der Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis. Das BFW setzt laut Bericht u. a. Schwerpunkte auf Baumarten- und Herkunftswahl sowie Forstgenetik, und beim „Tag des forstlichen Vermehrungsgutes“ wurden entsprechende Ergebnisse präsentiert und diskutiert.
Gerade hier entscheidet sich, ob Waldumbau „nur“ kurzfristige Reaktion bleibt – oder langfristig stabil wird: Herkunft und genetische Ausstattung sind maßgeblich dafür, wie gut Bestände mit Trockenstress, Extremereignissen und Schadorganismen zurechtkommen.
Versorgungssicherheit entsteht nicht allein durch Appelle, sondern durch Kapazitäten. Im Rahmen des Waldfonds wurde daher das Forstliche Plantagenzentrum Südburgenland realisiert, das einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung mit forstlichem Vermehrungsgut leisten soll.
Der Bericht verweist dabei auch auf einen zentralen Punkt: Samenplantagen gewinnen an Bedeutung, weil sie – im Vergleich zur reinen Wildsamengewinnung – mehr Kontrolle über Umweltbedingungen ermöglichen und damit verlässlicher zur Deckung des steigenden Bedarfs beitragen können.
Neben Markt und Forschung spielt auch der Rechtsrahmen eine wachsende Rolle. Laut Bericht werden im Rahmen des GAP-Strategieplans Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung genetischer Ressourcen gefördert (u. a. Saatguternte/-aufbereitung sowie Pflege von Plantagen und Saatgutbeständen).
Zudem ist auf EU-Ebene eine neue EU-Vermehrungsgutverordnung in Vorbereitung; beim Veranstaltungstag wurde über künftige Regelungen und Auswirkungen auf Praxis, Verwaltung und Kontrolle informiert.
Wer Waldumbau ernst nimmt, muss auch über Saatgut- und Pflanzgutpolitik sprechen – technisch, organisatorisch und strategisch. Der „Tag des forstlichen Vermehrungsgutes“ macht deutlich, dass Österreich hier nicht nur Herausforderungen adressiert, sondern auch Strukturen, Forschung und Förderinstrumente zusammenführt.