Tirols Bergwald schützt, arbeitet und schafft Wert – warum Wald und Wirtschaft im Alpenland untrennbar zusammengehören.
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Tirols Bergwald schützt, arbeitet und schafft Wert – warum Wald und Wirtschaft im Alpenland untrennbar zusammengehören.
Warum unser Bergwald Wirtschaftsfaktor, Schutzschild und Zukunftsaufgabe zugleich ist
Vom 8. bis 14. Juni 2026 findet in Österreich die Woche des Waldes statt – und das diesjährige Motto trifft einen Nerv: „Wald und Wirtschaft“. Das ist kein abstraktes Politikthema. Es ist eine Frage, die in Tirol täglich beantwortet wird: von Förster:innen in steilen Hängen, von Gemeinden, die unter Schutzwäldern siedeln, von Sägern, Holzbauern und Waldeigentümer:innen.
Mit einem Waldanteil von rund 48 Prozent an der Staatsfläche ist Österreich ein Wald- und Holzland. Für Tirol gilt das noch unmittelbarer: Rund 41 Prozent des Landes sind bewaldet. Und mehr als 70 Prozent dieses Waldes haben vorrangig Schutzfunktion. Der Bergwald ist hier keine Kulisse. Er ist die Infrastruktur, auf der das Leben in den Alpen aufbaut.
Es geht nicht nur um Holz. Es geht um die Frage, wie der Bergwald auch künftig jene Leistungen erbringen kann, auf denen unser Lebens- und Wirtschaftsraum aufbaut.

Die Woche des Waldes macht in diesem Jahr sichtbar, was oft im Hintergrund bleibt. Im gesamten Wertschöpfungsnetzwerk der Forst- und Holzwirtschaft wird, inklusive vor- und nachgelagerter Branchen, eine Wertschöpfung von 43,1 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaftet – das entspricht rund 10 Prozent der Wirtschaftsleistung Österreichs. Jeder zehnte erwirtschaftete Euro hängt folglich unmittelbar oder mittelbar am Rohstoff Holz. Und 444.000 Arbeitsplätze, also jeder elfte, sind auf die Forst- und Holzwirtschaft zurückzuführen.
Das sind beeindruckende Zahlen. In Tirol steckt dahinter noch eine zweite Dimension: Der Wald schafft nicht nur Wertschöpfung durch Holz. Er sichert die Voraussetzungen dafür, dass Siedlungen, Tourismus, Landwirtschaft und Infrastruktur in einem Gebirgsland überhaupt funktionieren.
Seit 1990 haben nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holznutzung die Atmosphäre um rund 900 Millionen Tonnen fossiles CO₂-Äquivalent entlastet. Gleichzeitig ist der Holzvorrat in den heimischen Wäldern um 255 Millionen Vorratsfestmeter gewachsen. Diese Zahlen zeigen: Wirtschaftliche Nutzung und ökologische Verantwortung schließen sich nicht aus – sie bedingen einander, wenn es richtig gemacht wird.

Wer in Tirol aufgewachsen ist oder hier lebt, kennt den Wald als selbstverständlichen Teil des Alltags. Er ist der grüne Rahmen hinter den Häusern, der Weg zum Wandern, der Schatten an heißen Tagen. Diese emotionale Verbindung ist real und wertvoll. Aber sie erzählt nur einen Teil der Geschichte.
Der Bergwald arbeitet still und kontinuierlich. Ein intakter Schutzwald hält Steinschlag zurück. Ein gut verjüngter Hang bleibt stabil. Ein vitaler Wald speichert Regenwasser, schützt Böden vor Erosion, reguliert das Kleinklima und bietet unzähligen Tier- und Pflanzenarten Heimat. Und ein bewirtschafteter Wald liefert Holz, Einkommen und Arbeitsplätze in der Region.
Die Tiroler Waldstrategie 2030 bringt diese Vielschichtigkeit auf den Punkt. Waldpolitik bedeutet hier: Schutzwald sichern, klimafitte Bestände aufbauen, Biodiversität erhalten, nachhaltige Holznutzung ermöglichen – und all das im Dialog mit jenen Menschen gestalten, die täglich mit und im Wald arbeiten.

Wenn von Waldwirtschaft die Rede ist, denken viele zuerst an Motorsäge und Holzernte. In Tirol greift dieses Bild zu kurz. Waldwirtschaft bedeutet hier: den Bergwald so zu pflegen, zu verjüngen und weiterzuentwickeln, dass er auch kommenden Generationen seine Leistungen erbringen kann. Das umfasst Durchforstung und Schutzwaldsanierung genauso wie Beratung von Waldeigentümer:innen, Wildschadensbeurteilung, Förderabwicklung, Biodiversitätsmaßnahmen und die Koordination vieler unterschiedlicher Interessen in einem engen Raum.
Waldwirtschaft ist in Tirol eine Entscheidung über Schutzwirkung, Zukunftsfähigkeit und Gemeinwohl.
Das gilt besonders dort, wo Wald unmittelbar über Siedlungen, Straßen oder Bahnlinien steht. Wenn ein Schutzwald instabil wird, ist das kein lokales Forstproblem – es wird rasch zu einem Risiko für Menschen, Infrastruktur und öffentliche Haushalte. Umgekehrt: Jeder stabile Schutzwald erspart kostspielige technische Verbauungen, verhindert Schäden und macht alpine Räume dauerhaft nutzbar.
Aktive Waldwirtschaft ist in Tirol daher kein Widerspruch zum Naturschutz. Durch gezielte Pflege- und Nutzungseingriffe werden Wälder verjüngt und an sich verändernde Umweltbedingungen angepasst. So entstehen stabile, artenreiche und resiliente Bestände.