Forsttagsatzungen in Tirol sind öffentliche Gemeindetermine (Nov–März). Forstfachleute berichten über Waldzustand, Nutzung, Schutzwald und Klimawandel. Termin an der Amtstafel. Ideal, um den Wald vor Ort besser zu verstehen und Fragen zu stellen.
Forsttagsatzungen: Ein öffentlicher Blick hinter die Kulissen „unseres“ Waldes
Viele Tirolerinnen und Tiroler erleben den Wald vor allem als Naherholungsraum: als Spazierweg nach der Arbeit, als Laufstrecke, als Schattenspender im Sommer oder als Schutz vor Naturgefahren im Gebirge. Was dabei leicht übersehen wird: Wald ist kein „Selbstläufer“. Er wird beobachtet, gepflegt, genutzt, geschützt – und diese Entscheidungen passieren nicht im Verborgenen. Ein zentraler, oft wenig bekannter Termin dafür ist die Forsttagsatzung, die jährlich in jeder Gemeinde stattfindet und im öffentlichen Teil für alle Interessierten zugänglich ist.
Was ist eine Forsttagsatzung?
Die Forsttagsatzung ist eine Sitzung der Forsttagsatzungskommission. Sie ist in der Tiroler Waldordnung 2005 geregelt und muss mindestens einmal pro Jahr in der Zeit zwischen 1. November und 31. März einberufen werden. Ort und Zeit sind mindestens zwei Wochen vorher an der Amtstafel der Gemeinde (und ortsüblich) kundzumachen.
Wichtig ist dabei: Die Forsttagsatzung ist nicht nur „Verwaltung“, sondern auch Wald-Informationsabend. Denn gesetzlich ist vorgesehen, dass der Vorsitzende in öffentlicher Sitzung über die forstlichen Verhältnisse in der Gemeinde – ausdrücklich auch mit Blick auf die zukünftige Entwicklung – informiert.
Genau dieser öffentliche Teil macht die Forsttagsatzung für die breite Bevölkerung so interessant.
Wer sitzt in der Forsttagsatzungskommission – und worum geht es dort?
Die Kommission ist in jeder Gemeinde eingerichtet. Sie setzt sich (vereinfacht gesagt) aus Fach- und Gemeindevertretung sowie Waldeigentümervertretung zusammen: Vorsitz führt der Leiter der örtlich zuständigen Bezirksforstinspektion, dazu kommen Bürgermeister, weitere Gemeindevertreter und Vertreter der Waldeigentümer.

Warum das für „Nicht-Waldeigentümer“ spannend ist
Der öffentliche Teil ist eine seltene Gelegenheit, den Wald vor der Haustür nicht nur zu benutzen, sondern zu verstehen. Typische Themen, die dort (je nach Gemeinde und aktueller Lage) vorkommen, sind zum Beispiel:
- Waldzustand: Wie geht es Fichte, Tanne, Buche & Co.? Wo gibt es Schäden?
- Klimawandel & Anpassung: Welche Baumarten- und Pflegestrategien werden diskutiert?
- Schutzwald & Naturgefahren: Welche Maßnahmen sichern Hänge, Gräben, Siedlungen?
- Nutzung & Holzmarkt: Was bedeutet nachhaltige Nutzung konkret in der Gemeinde?
- Wild, Weide, Verbiss: Wo stehen Waldverjüngung und Wilddruck im Konflikt?
- Wege, Arbeiten, Projekte: Wo wird aufgeforstet, gepflegt, geräumt, saniert?
Wer den Wald als Erholungsraum nutzt, bekommt hier Kontext, warum manche Flächen „unordentlich“ wirken (Totholz, Durchforstung), warum wo aufgeforstet wird oder wieso bestimmte Bereiche gesperrt sind.
Ein zusätzlicher Aspekt, der oft unterschätzt wird: In Tirol ist das Betreten des Waldes zu Erholungszwecken grundsätzlich gestattet – gleichzeitig sind etwa Befahren (z. B. mit Kfz oder teils auch mit Mountainbike auf Forststraßen) rechtlich deutlich enger und häufig zustimmungspflichtig. Auch solche „Alltagsfragen“ rund um Nutzung und Regeln lassen sich im Umfeld einer Forsttagsatzung gut einordnen.
Nicht alles ist öffentlich:
Viele Bezirksforstinspektionen weisen ausdrücklich darauf hin, dass es neben dem öffentlichen Teil auch einen nicht öffentlichen Teil gibt, der häufig im Anschluss stattfindet.
Das ist sachlogisch: Sobald es um konkrete Verfahren, Anträge oder Einzelfälle geht (z. B. bewilligungspflichtige Fällungen), spielen Verfahrensregeln und Datenschutz eine Rolle.
Wie findet man die Termine?
- Amtstafel der Gemeinde (online oder im Gemeindeamt): Dort muss der Termin kundgemacht werden.
- Gemeinde-Website: Viele Gemeinden stellen Kundmachungen/Amtstafel-Inhalte online.
- Bezirksforstinspektion: Manche Bezirke veröffentlichen Terminlisten gesammelt (z. B. nach Gemeinden).
Wie nutzt man die Forsttagsatzung als „Wald-Lernchance“?
- Mit einer Leitfrage hingehen: „Wie verändert sich unser Wald in den nächsten 10–20 Jahren?“ oder „Was sind die größten Risiken (Sturm, Borkenkäfer, Trockenheit)?“
- Begriffe notieren: Schutzwald, Waldentwicklungsplan, Durchforstung, Verjüngung, Kalamität – oft erschließt sich der Wald danach ganz anders.
- Konkrete Orte ansprechen: „Beim Weg X liegen seit Monaten Stämme – warum?“ oder „Warum wird Fläche Y eingezäunt?“
- Den Transfer zur Erholung herstellen: Was bedeuten Maßnahmen für Wege, Sperren, Sicherheit und Naturerlebnis?
Gerade in Zeiten von Klimastress, Schadereignissen und Nutzungskonflikten ist es ein Vorteil, wenn Gemeinden Waldthemen nicht nur verwalten, sondern öffentlich erklären. Forsttagsatzungen sind dafür ein unterschätztes, sehr niederschwelliges Instrument: hingehen, zuhören, nachfragen – und danach den Wald daheim mit anderen Augen sehen.

